Jürgen Wölffer

... ist Berliner, sogar Charlottenburger, von Anfang an und wird es wohl auch bis zum Schluss bleiben – und doch fühlt er sich, oder gerade deshalb, in Europa zu Hause. Zu seinen frühesten Erinnerungen gehört, dass der Vater jeden Tag zum Kurfürstendamm ins Theater fuhr, der Mann war Theaterdirektor. Und zwar von den berühmten von Max Reinhardt begründeten Bühnen, wie er als Erwachsener erfuhr.
Mühsam waren die Häuser über die Weltwirtschaftskrise und die Nazidiktatur als unabhängige Privattheater gerettet worden, bis sie 1942 schließlich doch enteignet wurden. Doch auch die Bomben im 2. Weltkrieg konnten sie nicht zerstören, nur verwunden, so dass sie schon einige Monate nach dem Krieg wieder zu den beliebtesten Kulturstätten der Stadt gehörten. Auch die Blockade der Stadt, den Mauerbau, die Bauumrahmung durch das »Kudammkaree« in den 70er-Jahren, die Wiedervereinigung und die damit verbundenen Spekulationsgelüste überstanden die traditionsreichen Bühnen bisher unangetastet.
1965 wurde Jürgen Wölffer dann selbst Chef der Komödie und des Theaters am Kurfürstendamm – erst zusammen mit seinem Vater Hans Wölffer, später mit seinem Bruder Christian, danach alleine und schließlich mit seinem Sohn Martin. Dem übergab er 2004 – zum 100. Geburtstag seines Großvaters – die Direktion.
Nun ist er nur noch mit seinem Bruder und seinem Sohn Gesellschafter und manchmal Regisseur an den Häusern, freut sich aber über den großen künstlerischen Erfolg seines Sohnes und bewundert, wie dieser die zunehmend schwerer werdenden Zeiten für Privattheater meistert. Sie erleben hier einen noch echten Familienbetrieb,vielleicht einen Anachronismus, der natürlich nur durch die vielen tüchtigen, treuen Mitarbeiter möglich ist. So wie die sich immer für die berühmten Theater eingesetzt haben, so zitterten sie stets um deren Erhalt.

1988 gründete Jürgen Wölffer die Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg, wie auch 1996 die Komödie Dresden (die er leider Ende 2010 aufgeben musste) und die heute noch sehr erfolgreiche Tourneeabteilung der Theater am Kurfürstendamm.
Er hat die Bühnen in den 70er- und 80er-Jahren – nicht zuletzt durch die vielen Stars, die für ständig ausverkaufte Häuser sorgten – weit über Berlin bekannt gemacht. Fast jede Produktion wurde im Deutschen, Österreichischen oder Schweizer Fernsehen zur besten Sendezeit ausgestrahlt.Zu seinen Regieerfolgen hier zählten »Nächstes Jahr, gleiche Zeit« mit Johanna von Koczian und Wolfgang Spier, »Das Haus am See« mit Rudolf Platte, »Fantastische Nacht« mit Günter Pfitzmann, »Champagner Komödie« mit Karl Heinz Schroth, »Durchreise« mit Georg Thomalla, »Sonny Boys« mit Harald Juhnke und Wolfgang Spier, »Damals in Brooklyn«, »Der Hauptmann von Köpenick« sowie der Dauerbrenner »Pension Schöller«.
Dabei hat der »Komödienmann« seine Anfänge beim Theater in Staatstheatern als Schauspieler für ernste und klassische Rollen verbracht. Manche werfen ihm heute noch vor, er nehme die Lustspiele zu ernst: Er allerdings meint, und da ist er sich mit seinem neuen Chef – seinem Sohn – einig: Man kann das Leichte nicht ernst genug nehmen!

Seine Wünsche für die Zukunft: dass es das Theater am Kurfürstendamm noch lange geben wird und dass vielleicht eines seiner Enkelkinder in der vierten Generation noch hier Direktor oder Direktorin ist.

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