Der Gast

von David Pharao

Herbst 2011: 27.09.-29.10.2011

Es gibt doch nichts schöneres, als ein kleines, feines Abendessen im eigenen Heim, mit netten Gästen und gutem Wein. Was aber, wenn der Hauptgast der zukünftige Chef ist, der sich ein genaues Bild des Bewerbers machen will? Was, wenn just an diesem Tag ein Wasserschaden in der Wohnung auftritt? Und was, wenn ein übereifriger Nachbar den Ort des Geschehens partout nicht mehr verlassen will? Gérard kann sich vor Turbulenzen kaum mehr retten. Nach drei Jah­ren der Arbeitslosigkeit hat er endlich wieder einen guten Job in Aussicht – nur dieses eine Essen gilt es noch zu meistern. Es winkt schon das neue Leben und auch seine Frau Colette ist über­glücklich. Bis sie erfährt, dass die Einladung bereits für den nächsten Abend geplant ist. Wie soll man sich vor dem zukünftigen Vorgesetzten präsentieren, was servieren und worüber Konversa­tion halten? Vielleicht weiß der Nachbar Alexandre Abhilfe, seines Zeichens professioneller Image-Berater. Dieser aber wittert in allem eine Falle: Mangelnde Kochkünste, die falschen Gemälde, die Gläser, das Aquarium und die Spielzeugeisenbahn – alles muss umorganisiert werden. Aber das wird ja wohl hinzukriegen sein. Ist ja nur ein einfaches Abendessen und so was ist schließlich Routine… oder?

Bei der Konstruktion des Plots für "Der Gast" fragte der Autor David Pharao den Personalleiter einer großen französischen Firma, was für ihn die ultimative Situation für ein Vorstellungsgespräch sei. Ein Abendessen in der Wohnung des Bewerbers, war die Antwort. Denn in einer solchen Situation müsse man sich zwangsweise offenbaren und Täuschungen seien absolut ausgeschlossen.